New York café

 

 

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DAS NEW YORK CAFÉ

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Das New York ist nicht nur einfach ein Café, sondern auch ein wertvolles Stück von Budapest und unserem literarischen Leben. Manche würden es gern nicht nur zum Kunstdenkmal, sondern gerade zu einem Pantheon weihen. Und selbstverständlich auch nutzen, als Veranstaltungsort aus der Vergangenheit und Erlebnisgastronomie für die Zukunft. Rühren wir die Dinge um, wie einen guten Espresso.
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Die Geschichte des New York fängt noch in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts an, als ein talentierter junger Mann namens Max Aufricht aus Oberungarn mit einem Lehrerdiplom und einem Silbergulden in der Tasche in Budapest ankommt. Mit seiner Armut sind aber riesige Ambitionen verbunden, und während er bei einem Textilgroßhändler arbeitet, erwirbt er das Juristendiplom und eignet sich die französische Sprache an.
Der noch immer sehr junge Miksa Arányi – da er von der in jener Zeit üblichen nationalen Begeisterung getrieben, seinen Namen magyarisiert – findet sich bald in Paris, wo ihn sein Schicksal und das gute Glück mit dem Direktor der New York Versicherungsgesellschaft zusammenbringt. Aus dem Treffen entwickelt sich ein Geschäft: er wird mit dem Ausbau eines ungarischen Netzes beauftragt, das so gut gelingt, dass bereits über die Errichtung eines repräsentativen Gebäudes der erfolgreichen Versicherungsgesellschaft in der ungarischen Hauptstadt nachgedacht wird.
Die an die italienische Renaissance anlehnenden, aber grundsätzlich die eklektischen Stilelemente betonenden Pläne wurden von dem gefeierten Architekten der Zeit, Alois Hauszmann erstellt. Der prächtigste Teil des Gebäudes ist das Café im Erdgeschoss geworden. Seine Enterieurs wurden im Zeichen der historisierenden Eklektik geplant. Alles war Marmor, Bronze, Seide, und Samt. Die charakteristischen schraubenförmigen Säulen haben die Gliederung des vierstöckigen Cafés außerordentlich dekorativ gelöst, die neuartige Balkonlösung, die wirkungsvolle Galerietreppe, die Lüster, und die Deckenfreskos haben alle nur den Luxus erhöht.
Der beste Teil der damaligen Literatur- und Künstlerwelt hat die am 23. Oktober 1894 gehaltene Eröffnungsfeierlichkeit in Scharen besucht, als hätten ihre Vertreter geahnt, dass es jahre- und jahrzehntelang ihre Heimat, ihr Lebensschauplatz sein wird, das ihnen alles bedeutet.
Der Anekdote nach hat Ferenc Molnár an der Spitze einer gutgelaunten Journalistengruppe den Schlüssel des Restaurants in die Donau geworfen, damit es Tag und Nacht geöffnet bleiben kann. Die Leitung des Cafés hat natürlich nicht auf die bettelarme Boheme gehofft, sondern auf die vornehmen, reichen Gäste, trotzdem wurde das Café bald von einem bunten Publikum aufgesucht.
Künstlertische wurden eingerichtet, und das nach Tageszeiten wechselnde Stammpublikum des Cafés wurde alltäglich.
Das New York avancierte auch ungewollt zu einem literarischen Café. Hier war die literarische Zeitschrift Nyugat (West) zu Hause, die Redaktion des Pesti Napló hatte hier ihren Stammtisch, die gefürchteten Kritiker saßen hier um den berühmten „Nierentisch“, die Filmemacher wohnten an der Seite der Dohány utca, auf der Galerie, aber auch die Premierenbanketts der Theater wurden hier gehalten, von der „Tagesstätte“ der bildenden Künstler (Nyeho) ganz zu schweigen. Jeder Künstler fand hier sein Zuhause. Wer Eingebung zum Schreiben hatte, erhielt sofort einen Papierstreifen, die Bänder des Pallas-Lexikons standen auf dem Regal, alle bedeutenden Zeitungen der Welt waren abonniert, man konnte auch ohne Geld essen, aktiv sein, oder sich zurückziehen, je nachdem, was man gerade brauchte.
Das Caféleben litt sowohl unter dem ersten, als auch unter dem zweiten Weltkrieg, das Treiben der ersten Hälfte der 1900-er Jahre kehrte nie mehr unter die altehrwürdigen Wände zurück, der Gnadenstoß für das New York war aber, als es – zwar nur für eine kurze Zeit – in ein Sportgerätladen verwandelt wurde.
Das in Hungária umgetaufte Café ist im Jahre 1954 aus seiner Asche auferstanden, und wurde von Jenő Heltai folgendermaßen begrüßt: „Das alte New York ist tot, vorbei. An seiner Stätte wird heute ein schönes neues Café eröffnet, das Hungária. Es will in unserer neuen Welt leben und blühen, ich wünsche viel Glück dazu!“
Die Glückwünsche haben aber nicht viel genützt, die richtige Auferstehung des New York ließ noch auf sich warten, wenigstens bis zur Wende.

 

DIE KÜCHE

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Die Geschmäcke alter Zeiten wiederzubringen. Die Landschaften des Karpatenbeckens zu bewandern, die legendäre Pethes-Suppe des New York Café zu löffeln, mit einem Wort? Die multinationale Esskultur der einstigen Monarchie heraufzubeschwören – darum geht es in der Küche des erneuerten New York.
Diese edle Bestrebung geht aber Hand in Hand mit einer entschlossenen Modernitätsliebe. Das heißt, die Spezialitäten können hier nur aus den edelsten Zutaten, mit der Verwendung der Technologie des 21. Jahrhunderts zubereitet werden; ehrwürdige Vergangenheit und kreative Küche sind das Erfolgsrezept Nummer Eins des New York Café.
Der Start am frühen Morgen ist schön kühn. Beiseite mit der kontinentalen Geschmackswelt, nur vorsichtig mit dem gewohnten französischen, englischen und amerikanischen Frühstück, her mit den ungarischen Geschmäcken! Lassen wir sehen, womit der einst einkehrende Lump von der Küche des New York verwöhnt wurde, und was die Erlebnisgastronomie unseres Jahrhunderts in den frühen Morgenstunden anbietet.
Wer sich in der Zeit von Karinthy und Kosztolányi fühle möchte, dem empfehlen wir die „kleine Literaturplatte“: ein Bissen von alldem, was auf der Tagesmenükarte steht: eine kleine Kostprobe, eine geheime Mischung von Kunst und Gastronomie, quasi als Reverenz vor dieser eigenartigen Kulinarität der einstigen armen Schriftsteller.
Die Menüfolge der Hauptspeisekarte ist die aus den Geschmäcken zum neuen Leben erwachte Monarchie selbst. Klassische Grundstoffe, klassische Rezepte, Geschmäcke aus Siebenbürgen und Oberungarn, Spezialitäten aus Südungarn, dies alles zubereitet mit Hilfe der modernsten Küchentechnik; ein kleiner Trick, ein verzeihlicher „Sonderweg“ des Chefs, fertig ist die Goulaschsuppe des 21. Jahrhunderts.
Im Zeichen der hochqualitativen Bewirtung möchte das New York den Kult der unverdient vergessenen kleinen Portionen (Zoneessen). Kostprobenplatten aus ungarischen Spezialitäten: Letscho mit Wurst, Kalbspaprikasch, kalte Gänseleber, streng nur ein-zwei Bissen; um den Magen nicht zu belasten, aber die Geschmacksknospen doch zu stimulieren.
Und jetzt soll das Dessert kommen. Buttercreme vergessen, nur leicht: Doboskuchen mit Rahmcreme, aufgerollt, ins Karamellnetz gewickelt.
Und das New York Catering kann diese Qualität sichern.
Guten Appetit!

 

EINRICHTUNG

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Das New York Café erhält bald ein neues Gesicht, in den winzigen Werkstätten der Designer formt sich bereits das neue Image, die Planer arbeiten fleißig, eine Prise Vergangenheit, ein Gramm trendy Zukunft, mal sehen, was daraus sein wird.
In dem Restaurant bleibt alles, was ewig ist: Gold, Bronze, Marmor, Gipsstuck, und wenn wir zur Decke hinaufschauen, spannen sich noch lange die riesigen Panneaus mit frivolen Szenen über uns, allegorische Figuren des Spiels, der Liebe, und natürlich der Kunst, die seit Urzeiten über uns sind und dort bleiben, solange das New York existiert. Und wenn wir die Galerien beklettern, lohnt es sich, die mehrfach gebogenen Säulen mit feinen Fingern und damit ein ganzes Jahrhundert zu streicheln, ein mit Kunst vollgesogenes Jahrhundert, das ewige Material, und vielleicht auch die Ewigkeit.
Und das Veränderliche bedeutet auch eine Art Rückkehr in die einstige Welt der Cafés.
Kleine Cafélampen werden auf den Tischen untergebracht, mit schönen Textilschirmen; vielleicht bei diesen oder bei ähnlichen hat Kosztolányi seine traurigsüßen Gedichte geschrieben, oder Karinthy seine kurzen Humoreske. Die jetzt eher moderneren Kleiderständer werden ausgewechselt, die klassischeren Formen kehren zurück, und es gelingt vielleicht, etwas vom Cafémöbelstil der einstigen Firma Buchwald zurückzuschmuggeln. Strenge grüne Pflanzen werden aus großen, schönen Übertöpfen herunterhängen, durch die großen Glasscheiben wird das Licht hereinströmen, weil die jetzt nur als Spaghettivorhänge bezeichneten Verdunkelungstextilien beseitigt werden, und neue, in zwei Richtungen gezogenen wunderschönen Tafts an ihre Stelle geraten.
Einen Espresso im New York zu trinken, bedeutet bald eine Zeitreise, wer hier weilt, weilt eine Zeit in der Vergangenheit, kann seinen Kaffee in der Gesellschaft großer Geister umrühren, und über die Großartigkeit alter Zeiten nachdenken, als eine Art später Zeitgenosse.

Boscolo New York Cafe Erzsébet krt. 9-11.1073 Budapest Tel.: +36 1 8866 111, Fax: +36 1 8866 199